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Auszüge aus vergangenen Ausgaben

April 2018

Regierungskrise wegen Facebook-Beitrag
Darum trat die Justizministerin zurück

„Die Arbeiterpartei meint, dass die Rechte der Terroristen wichtiger seien als die Sicherheit unseres Landes.“ Das schrieb Norwegens Justizministerin Sylvi Listhaug am 9. März 2018 auf ihrer Facebook-Seite – am Tag nach der Abstimmung im Stortinget über ein neues Gesetz, das es ermöglichen sollte, Norweger/innen, die sich einer terroristischen Gruppe angeschlossen haben, die norwegische Staatsbürgerschaft auch ohne Gerichtsurteil abzuerkennen. Die AP stimmte dagegen, weil sie darauf besteht, dass so etwas nicht ohne Gerichtsurteil möglich sein darf, um staatliche Willkür zu vermeiden.

Sicherlich wird Sylvi Listhaug eine gewisse Welle an Empörung über ihre dreiste Aussage einkalkuliert haben. Doch dass sich das Ganze zu einer handfesten Regierungskrise auswachsen würde, damit hat sie wahrscheinlich nicht gerechnet. Sie veröffentlichte ihren Facebook-Beitrag genau an dem Tag, an dem der Film über den Terroranschlag vom 22. Juli 2011 in die norwegischen Kinos kam. Ziel dieses Terroranschlages war insbesondere das Jugendlager der AP auf Utøya. Und vor diesem Hintergrund bekam Listhaugs Aussage eine besondere Brisanz.

Erst unter medialem Druck rügte Staatsministerin Erna Solberg den Facebook-Beitrag ihrer Justizministerin. Als dann ein Misstrauensvotum im Parlament drohte, trat Sylvi Listhaug zurück – nicht zuletzt, um die aktuelle Regierung nicht zu gefährden, denn die Staatsministerin hatte angekündigt, dass die Regierung geschlossen zurücktreten würde, sollte das Misstrauensvotum gegen die Justizministerin erfolgreich sein.

Du willst mehr über „Listhaug-saken“ wissen? Dann lies Dir diese beiden Artikel durch: Auf NRK.no auf Norwegisch und im Handelsblatt.com auf Deutsch.


Februar 2018

Hast Du Lust, Scrabble auf Norwegisch zu spielen, ein norwegisches Gedicht zu schreiben, das sich reimt, oder Dich sogar mal an einem Anagram auf Norwegisch zu versuchen? Ich bin mir sicher, dass Du das hinbekommst – mit dieser kleinen Hilfestellung: ordhjelp.com

Die Website wurde ursprünglich vom norwegischen Scrabbleverband entwickelt und bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Wenn Du neugierdehalber mal wissen willst, welche Wörter im Norwegischen auf „snø“ enden, dann gib doch einfach mal „?snø“ ein… Und mit Hilfe des neuen Online-Wörterbuchs NAOB.no kannst Du dann gleich weiter schauen, was „styresnø“ eigentlich für ein Schnee sein soll. 😉

Viel Spaß beim spielerischen Vokabellernen!

Oslos vorgelagerte Inseln sind eine ganz eigene Welt. Sie bieten Badestrände und militärgeschichtliche Denkmäler, zahme Füchse und Hütten als Ferienunterkünfte… Jetzt hat der Stadthistoriker Leif Gjerland eine Neuauflage seines reich bebilderten Buchesüber diese Inseln herausgegeben, mit vielen Tourvorschlägen, die Lust machen, auch während meiner nächsten Oslo-Sprachreise vom 2. bis 6. Juli 2018 auf gemeinsame Entdeckungstour zu gehen. Im Sommer kann man nämlich stündlich mit den kleinen Fähren vom Anleger in Rathausnähe von Insel zu Insel schippern.

Wenn Du noch ein bisschen mehr über das Buch erfahren möchtest, dann empfehle ich Dir Dörtes Buchrezension(auf Deutsch) in ihrem Blog nordlieben.de .


Januar 2018

Am 24. Januar wird NAOB – Det Norske Akademis ordbok (das Wörterbuch der Norwegischen Akademie) feierlich veröffentlicht. Doch bereits seit dem 21. Derzember 2017 ist es auf naob.no für alle frei zugänglich. Das einsprachige Online-Wörterbuch für bokmål steht in der Tradition des Oxford English Dictionary und umfasst 225.000 Artikel sowie 300.000 literarische Zitate aus 6.000 Quellen. Auf diese Weise wird die Verwendung von einzelnen Wörtern veranschaulicht und historisch belegt, und zwar zurück bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Würde das Wörterbuch gedruckt, dann wären es insgesamt 12 Bände…

Für jedes Wort findest Du eine Erläuterung (natürlich på norsk) für die heutige Bedeutung des Wortes, für die historische Herkunft, für die Aussprache, die Beugung sowie zahlreiche Beispiele für die konkrete Verwendung. Wenn Du Lust hast, schau Dir doch einfach mal die Ergebnisse für so einfache Wörter wie pike (Mädchen) oder enke (Witwe) an. Oder lies nach, was Du zu Deinem Lieblingswort im NAOB findest!

Linktipps: Interview mit dem Projektleiter Petter Henriksen (på norsk) und die Facebook-Seite von NAOB.no


Dezember 2017

Weißt Du, wo in Norwegen der Weihnachtsmann wohnt? In Drøbak, 35 km südlich von Oslo. Dort befindet sich zumindest das Postkontor, an das norwegische Kinder Briefe an den Weihnachtsmann schicken: Julenissens Postkontor, Torget 4, 1440 Drøbak. Das Julehus in Drøbak ist ganzjährig geöffnet – einen Besuch könnten wir bei der nächsten Oslo-Sprachreise einplanen.

Insbesondere was das Essen angeht, ist das norwegische Weihnachten ein Fest der Traditionen. Da schlemmen die Menschen im Norden Weihnachtssülze (julesylte), Weihnachtswürstchen (julepølse) und lutefisk (gelaugter Stockfisch). Was aber auf keinen Fall fehlen darf, ist juleribbe. Diese Weihnachtsrippchen stammen an der Westküste vom Schaf und im Osten vom Schwein. Rund 6.500 Tonnen juleribbe kommen in Norwegen an den Weihnachtstagen auf die Teller – das sind umgerechnet 1,3 Kilo pro Person! Manche wählen dafür die Variante pinnekjøtt. Das sind auf Birkenreisig geräucherte Hammel-Rippen.

Weihnachtsbier (juleøl) darf auch nicht fehlen, über 30 Sorten werden gebraut, sowie 158 Sorten norwegischen Aquavits (akevitt), die nun vor Weihnachten im Angebot sind.

Hier auf tine.no findest Du ein detailliertes juleribbe-Rezept – natürlich på norsk.

Anfang des 19. Jahrhunderts kamen in Norwegen juleheftene (die Weihnachtshefte) auf. Sie sollten die Wartezeit bis zum Heilig Abend versüßen und richteten sich anfangs nicht nur an Kinder. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts haben viele namhafte norwegische Schriftsteller/innen literarische Texte beigesteuert, darunter Knut Hamsun, Henrik Ibsen und Sigrid Undset. Zudem waren diese julehefter reich und hochwertig bebildert. Nach und nach entwickelte sich daraus eine neue Tradition der Komikhefte, die extra zu Weihnachten herausgegeben wurden.

Wenn Du på norsk etwas über die Geschichte der julehefter nachlesen möchtest, empfehle ich Dir diesen und diesen Link.

Die beiden Ausgaben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem Foto oben können wir gemeinsam in den Gruppenkursen in Hamburg anschauen. Dörte hat sie von ihrer letzten Oslo-Reise aus dem Adamstuen Antikvariat mitgebracht.


Oktober 2017

Die Norweger/innen lieben Ausdrücke, in denen zwei Wörter in fester Reihenfolge auftauchen – für viele gibt es auch einen entsprechenden Ausdruck im Deutschen, zum Beispiel „ditt og datt“ = „dies und das“. Einige heißen im Deutschen ganz anders, bedeuten aber das Gleiche, siehe „kreti og pleti“ = „Hinz und Kunz“.

Eine kleine Auswahl:

dann og vann = dann und wann
hist og pist = hier und da
med pikk og pakk = mit Sack und Pack
å miste mål og mæle = sprachlos / verdutzt sein
mye om og men = viel Wenn und Aber
titt og ofte = öfters / immer wieder
tull og tøys! = So ein Unsinn!

Ich hatte im Studium selbst einmal eine solche Liste begonnen und müsste auch irgendwo noch die Aufzeichnungen dazu haben… Aber dann ist mir der Sprachforscher Svein Lie 1982 doch glatt zuvor gekommen. Jetzt hat er seinen Artikel „Ditt og datt“ als Gratis-PDF auf seiner Website an der Uni in Oslo  veröffentlicht – mit einer Sammlung von über 300 dieser festen Ausdrücke.