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Auszüge aus der Dezember-Ausgabe

Juleglede med Yvonne

Weißt Du, wo in Norwegen der Weihnachtsmann wohnt? In Drøbak, 35 km südlich von Oslo. Dort befindet sich zumindest das Postkontor, an das norwegische Kinder Briefe an den Weihnachtsmann schicken: Julenissens Postkontor, Torget 4, 1440 Drøbak. Das Julehus in Drøbak ist ganzjährig geöffnet – einen Besuch könnten wir bei der nächsten Oslo-Sprachreise einplanen.

Julenissen

Der Weihnachtsmann war in Norwegen ursprünglich ein Weihnachtskobold, der Julenisse. Der hatte eigentlich mit Weihnachten gar nichts zu tun, sondern war einfach ein fjøsnisse – wörtlich könnte man das mit Stallwichtel übersetzen – mit roter Zipfelmütze. Erst im 19. Jahrhundert verschmolz dieses Wichtelmännchen nach und nach mit der Figur des St. Nikolaus. Doch ein alter Brauch hat in Norwegen bis heute überlebt: Dem Julenissen stellt man Weihnachten eine Schale risengrynsgrøt (Milchreis) hin, damit er der Familie und dem Hof wohlgesonnen bleibt. Den Nisse nicht mit Milchreis zu versorgen, bringt nämlich Unglück. Im Dezember 2009 ergab eine Umfrage, dass 400.000 Norweger/innen an diesem Brauch nach wie vor festhalten und „ihrem“ Wichtel Heiligabend eine Schale Milchreis hinstellen – in Nordnorwegen deutlich mehr als in und um Oslo.

Es gibt sogar ein norwegisches Weihnachtslied, das På låven sitter nissen heißt. Es ist das am meisten verbreitete nichtchristlich-traditionelle Weihnachtslied in Norwegen. Hier findest Du den Liedtext samt Hörprobe.

Viele alte Weihnachtskarten mit Nissen-Motiven findest Du hier.

Juleribbe

Auch was das Essen angeht, ist das norwegische Weihnachten ein Fest der Traditionen. Da schlemmen die Menschen im Norden Weihnachtssülze (julesylte), Weihnachtswürstchen (julepølse) und lutefisk (gelaugter Stockfisch). Was aber auf keinen Fall fehlen darf, ist juleribbe. Diese Weihnachtsrippchen stammen an der Westküste vom Schaf und im Osten vom Schwein. Rund 6.500 Tonnen juleribbe kommen in Norwegen an den Weihnachtstagen auf die Teller – das sind umgerechnet 1,3 Kilo pro Person! Manche wählen dafür die Variante pinnekjøtt. Das sind auf Birkenreisig geräucherte Hammel-Rippen.

Weihnachtsbier (juleøl) darf auch nicht fehlen, über 30 Sorten werden gebraut, sowie 158 Sorten norwegischen Aquavits (akevitt), die nun vor Weihnachten im Angebot sind.

Hier auf tine.no findest Du ein detailliertes juleribbe-Rezept – natürlich på norsk.

Julehefter

Anfang des 19. Jahrhunderts kamen in Norwegen juleheftene (die Weihnachtshefte) auf. Sie sollten die Wartezeit bis zum Heilig Abend versüßen und richteten sich anfangs nicht nur an Kinder. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts haben viele namhafte norwegische Schriftsteller/innen literarische Texte beigesteuert, darunter Knut Hamsun, Henrik Ibsen und Sigrid Undset. Zudem waren diese julehefter reich und hochwertig bebildert. Nach und nach entwickelte sich daraus eine neue Tradition der Komikhefte, die extra zu Weihnachten herausgegeben wurden.

Wenn Du på norsk etwas über die Geschichte der julehefter nachlesen möchtest, empfehle ich Dir diesen und diesen Link.

Die beiden Ausgaben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem Foto oben können wir gemeinsam in den Gruppenkursen in Hamburg anschauen. Dörte hat sie von ihrer letzten Oslo-Reise aus dem Adamstuen Antikvariat mitgebracht.


Auszüge aus der Oktober-Ausgabe

Die Norweger/innen lieben Ausdrücke, in denen zwei Wörter in fester Reihenfolge auftauchen – für viele gibt es auch einen entsprechenden Ausdruck im Deutschen, zum Beispiel „ditt og datt“ = „dies und das“. Einige heißen im Deutschen ganz anders, bedeuten aber das Gleiche, siehe „kreti og pleti“ = „Hinz und Kunz“.

Eine kleine Auswahl:

dann og vann = dann und wann
hist og pist = hier und da
med pikk og pakk = mit Sack und Pack
å miste mål og mæle = sprachlos / verdutzt sein
mye om og men = viel Wenn und Aber
titt og ofte = öfters / immer wieder
tull og tøys! = So ein Unsinn!

Ich hatte im Studium selbst einmal eine solche Liste begonnen und müsste auch irgendwo noch die Aufzeichnungen dazu haben… Aber dann ist mir der Sprachforscher Svein Lie 1982 doch glatt zuvor gekommen. Jetzt hat er seinen Artikel „Ditt og datt“ als Gratis-PDF auf seiner Website an der Uni in Oslo  veröffentlicht – mit einer Sammlung von über 300 dieser festen Ausdrücke.

In Oslo wird zurzeit viel gebaut, unter anderem kulturbyggene i Bjørvika: Im Jahr 2020 sollen rund um die Oper das neue Munch Museum sowie die neue Deichmanske Bücherhalle eröffnet werden. In diesem spektakulären Video kannst Du Dir anschauen, wie in nur 33 Tagen der Rohbau hochgezogen wurde. Einer meiner Norwegischschüler, der mittlerweile nach Norwegen ausgewandert ist, ist übrigens an dem Projekt beteiligt.

Wenn Du Dir ein Bild vom aktuellen Stand der Bauarbeiten machen willst, dann schau doch einfach mal bei diesen beiden Webcams (Munch und Deichmanske) rein. Und hier hält Dich die Stadt Oslo sogar mit einem eigenen Newsletter über die kulturbyggene i Bjørvika auf dem Laufenden.

Ich freue mich darauf, im Juli 2018 gemeinsam mit den Teilnehmer/innen der Sprachreise nach Oslo die Baustellen zu erkunden.